Pflanze des Monats Mai 2018

Vom Hauptnahrungsmittel der Landbevölkerung zum Baum des Jahres 2018

Castanea sativa – Die Esskastanie

 

Am Sonntag, dem 22. April 2018 wurde der Baum des Jahres 2018 im Park der Gärten Bad Zwischenahn gepflanzt. Jedes Jahr wird die Allee „Bäume des Jahres“ im Park der Gärten mit einem „Bruns Baum“ erweitert. Auf dem Bild von links nach rechts: Walter Hinrichs (Ehrenpräsident BdB), Harald Mikulla (Geschäftsführer des GaLaBau-Verbands Niedersachsen/ Bremen), Dr. Arno Schilling (Bürgermeister der Gemeinde Bad Zwischenahn), Björn Ehsen (Park der Gärten), Thilo Bruns (Bruns Pflanzen)

Die Esskastanie war im Mittelalter bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts in den Bergregionen Südeuropas das „Brot des armen Mannes“ und ein Hauptnahrungsmittel der Landbevölkerung. Castanea sativa ist im Mittelmeerraum eine seit der Antike angebaute Kulturpflanze, deren natürliches Verbreitungsgebiet sich nicht mehr exakt nachvollziehen lässt. Vermutlich weist der gesamte Mittelmeerraum inklusive Teilen Nordafrikas, Kleinasiens und der Südrand der Alpen natürliche Vorkommen auf. Mit den Eroberungszügen der Römer gelangte die Edelkastanie später über die Alpen, wo sie heute noch in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland gepflanzt wird. Der größte bekannte Baum ist der Castagno dei Cento Cavalli (Kastanienbaum der hundert Pferde) nahe des Ortes Sant‘ Alfio am Osthang des Ätnas auf Sizilien, der auf ein Alter von mindestens 2000 Jahren geschätzt wird. In Deutschland ist die Esskastanie vor allem in Eichenmischwäldern am Westhang des Schwarzwaldes, des Odenwaldes und im Mosel-Saar- und Nahegebiet vor allem in Weinbaulagen anzutreffen. Für deutsche Verhältnisse sind die frühreifenden Sorten vorzuziehen. Vor allem junge Pflanzen sind etwas empfindlich gegen Früh- und Spätfröste sowie niedrige Wintertemperaturen und sollten deshalb geschützt werden. Ältere Bäume sind ausreichend winterhart. Eine beeindruckende alte Esskastanienallee im Schloßpark Lütetsburg in Ostfriesland begeistert jedes Jahr die Besucher. Während die Edelkastanien früher noch zu Mehl verarbeitet und als „Arme-Leute-Essen“ betrachtet wurden, gelten sie heute als ausgesprochene Delikatesse. Der volle Geschmack der Kastanie kommt erst durch das Rösten oder Kochen der Frucht zum Ausdruck. Vor allem auf Weihnachtsmärkten sind geröstete Maronen ein beliebter Winter-Snack. Dort kann man vielerorts den wunderbaren Duft von frisch gerösteten Maroni vernehmen. Auf Wochen- und in Bio-Märkten werden sie im Herbst und Winter regelmäßig angeboten.

Anfang dieses Jahrhunderts waren in Frankreich über 300, in Italien etwa 200 und im Tessin um die 150 Sorten bekannt. All diese Sorten hatten, jede für sich, spezifische Eigenschaften betreffend Grösse, Geschmack, Reifezeitpunkt, Qualität usw. Dementsprechend war die Verwendung unterschiedlich. Verschiedene Sorten waren nur regional verbreitet und optimal auf die jeweiligen Standortverhältnisse angepasst. In Italien ist der Name „Marroni“ und „Marone“ seit 1170 gebräuchlich. Die Franzosen nennen sie „Marron“, und in Deutschland verwendet man meistens den Namen „Marone“. In der Schweiz kennt man sie unter dem Namen „Marroni“.

Die Esskastanie zählt zu den schönsten Solitär-Bäumen mit einem mediterranem Charme für Parkanlagen, parkartigen Privatgärten und öffentliche Anlagen.

Heutige, bereits historische Castanea sativa- Bestände an exponierten Standorten befinden unter anderem im Central Park in New York. Hinweise und Beschreibungen dieser Bestände mit exakt kartografierten Standorten zwischen der Hamilton-Statue und der nordwestlichen Ecke des Metropolitan Museums of Art finden sich bereits im 1903 erschienen Handbuch „Trees and Shrubs of Central Park by Louis Harman Peet“.

Text und Bild: bruns.de

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